035 – Revierinfo 5 – Trollhaette Kanal

035 – Revierinfo 5 – Trollhaette Kanal

In Folge 035 – Revierinfo 5 – Trollhaette Kanal möchte ich dir den Weg vom Göta Kanal über den Vänernsee durch den Trollhätte Kanal an die Westküste von Schweden beschreiben. Ich durfte die gesamte Strecke quer durch Schweden von Mem nach Göteborg in der Zeit vom 08.07. bis 20-07.2016 auf einer Bavaria 40 Cruiser, bei einem Hand gegen Koje Törn zurück legen und habe super viel über Schleusen dabei gelernt und natürlich die phantastische Natur Schwedens genossen.

In dieser Folge geht es aber nicht nur um den Trollhätte Kanal sondern auch ein bisschen um den größten See Schwedens, den Vänernsee.

Kurz zur Erinnerung, in den Folgen 026 und 027 erzählte ich dir von den ersten Meilen dieses Törns von Stockholm durch die Schären nach Mem, da ist der Eingang zum Götakanal von der Ostsee her. Die Fahrt durch den Kanal habe ich dir in Folge 029 und 030 beschrieben und in den Folgen 032 und 033 von einigen Begegnungen, die wir auf der gesamten Strecke hatten.

Diese Folge macht nun meinen dreiwöchigen Törn von Stockholm nach Göteborg komplett. Ich hoffe du kannst ein wenig dabei lernen und vielleicht habe ich ja dein Interesse geweckt ebenfalls dieses traumhafte Erlebnis live zu machen. Über deine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

Aber jetzt zum

Vänernsee

Wir hatten ja mit den letzten Schleusen vom Göta Kanal in Sjötorp den Vänernsee erreicht. Und nun lag mit einer Fläche von 5,519,1 km² der größte See Schwedens vor uns. Der Vänernsee ist auch der größte See der Europäischen Union und der drittgrößte Europas (nach dem Ladogasee und dem Onegasee – beide Russland).
Nach der doch etwas eingeschränkten Aussicht im Kanal endlich wieder die Weite des Wassers zu sehen, war schon sehr angenehm, ich freute mich auf die Überfahrt.
Noch im Kanal hatten wir einen Crewwechsel, was direkt an den Schleusen überhaupt kein Problem ist. Eine Schweizerin kam Samstags an Bord, dadurch waren wir eine Nacht zu viert und den Sohn von Skippers Freundin verabschiedeten wir noch der letzten Schleuse am Sonntag morgen, er fuhr dann mit dem Taxi zur nächsten Bahnlinie und von da in zwei, drei Stunden nach Stockholm zurück.

Da wir wegen meinem gebuchten Zug, der mich am 21.07. morgens von Göteborg ins Saarland bringen sollte, keinen Zeit zu verlieren hatten, wollten wir uns nicht lange irgendwo auf dem See aufhalten und sind gleich los gefahren. Nachdem die Betonnte Ausfahrt passiert war setzten wir die Segel und konnten bis zu unserem Übernachtungsstopp in einer kleinen Bucht bei der Insel Djurö ordentlich Meilen machen. Insgesamt lagen um die 65 Meilen vor uns, von Sjötorp bis zum Eingang des Trollhätte Kanal in Vänersborg.

Nach einer friedlichen Nacht hatten wir dann etwas Pech mit dem Wind, der uns die restlichen Meilen auf die Nase blies und so motorten wir doch recht lange und kamen Abends in Vänersborg an. Mein Skipper funkte während wir durch die betonnte Einfahrt Richtung Vänersborg fuhren die Brücke an, die recht bald für uns öffnete und wir konnten längsseits am Außensteg des Gasthafens direkt hinter der Brücke fest machen. Nun begann das nächste Abenteuer, die Durchfahrt des 035 – Revierinfo 5 – Trollhätte Kanal.
Aber zuvor

Noch ein paar Infos zum Vänernsee

Der Vänernsee liegt rund 44 Meter über dem Meeresspiegel und hat eine mittlere Tiefe von 27 m. Die größte Tiefe beträgt 106 m, was nach den durchschnittlichen 3 Metern im Göta Kanal sehr beruhigend für mich war 🙂
Er besitzt ein Volumen von 153 km³ und seine Küstenlinie beträgt ca. 2000 km.
Die größten Inseln im Vänern sind Torsö, (61 km², vor Mariestad), Kållandsö (57 km², nahe Lidköping) und Hammarö (47 km², bei Karlstad). Der See hat außerdem mehrere Schärengärten und dadurch insgesamt etwa 22.000 Inseln.
Es war dann auch so, als ob wir in den Schären vor Stockholm segeln würden. 🙂

Trollhätte Kanal

Nachdem wir nun den Sonntag und den Montag den Vänernsee gequert hatten, machten wir einen kurzen Plan wie wir die 82 km, die nun vor uns lagen aufteilen wollten.

Hierzu studierten wir zunächst die gesamte Strecke, die ich dir hier mit einem Bild darstelle:

Trollhätte Kanal Bild

Hier habe ich eine kleine Broschüre mit Infos zum Trollhätte Kanal für dich:
Trollhattekanal

Der Trollhätte Kanal ist 82 km lang. Rund 72 km ist die natürliche Fahrrinne des Göta älv der sich nach Lilla Edet durch seinen natürlichen Verlauf nach Göteborg schlängelt. Die restlichen 10 km wurden als Kanal ausgehoben bzw. in den Felsen gesprengt. Die ersten Pläne zu einem schiffbaren Wasserweg vom Vänern zur Nordsee stammen übrigens aus den Jahren um 1520. Aber erst 1607 wurde bei Lilla Edet die erste Schleuse, die einen Höhenunterschied von 6 Metern bewältigte in Betrieb genommen.

Der Höhenunterschied von 43,8 m wird heute durch 6 Schleusen überwunden. Vom Vänern kommend ist mit rund 6 m bei Brinkebergskulle die erste Schleuse. Das Problem mit den Stromschnellen bei Trollhättan, wo 32 Höhenmeter zu überwinden sind, hat man mit 4 Schleusen gelöst. Und dann kommt eben noch besagte Schleuse bei Lilla Edet, die 6 Höhenmeter überwindet.

Weitere Infos

Also noch mal, der Kanal ist 82 km lang, hat sechs Schleusen und überwindet einen Höhenunterschied von rund 44 m. Er ist für Schiffe bis 88 m Länge und 13,2 m Breite bei einem Tiefgang von 5,4 m zugelassen. Die Masthöhe ist wegen der 12 Brücken auf 27 m beschränkt, so dass der Kanal im Besonderen für Freizeitschiffer geeignet ist. Es gibt auch ein Kanalmuseum in Trollhättan, das die Geschichte des Kanals ausstellt. Leider habe ich das nicht besucht. Wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass es dieses Museum gibt. Übrigens passieren zur heutigen Zeit jährlich über 20.000 Schiffe den Kanal und 3,5 Millionen Tonnen an Gütern werden auf ihm transportiert. Und im Gegensatz zum Götakanal l kann man den Trollhätte Kanal Tag und Nacht befahren. Dadurch könnte es dann auch einmal etwas lauter werden bei den Übernachtungen.

Erste Schleuse bei Brinkebergskulle

Wir waren ja nun schon ein wenig geübt mit dem Abschleusen, da wir das ja auch schon im Göte Kanal gemacht hatten. Aber hier war es ab sofort total easy. Die doppelten Böden in den Schleusen gewährleisteten, dass das Wasser sich über die gesamte Schleuse verteilt und somit bei Zu- und Ablauf keine heftigen Wasserbewegungen entstehen. Außerdem waren die Schleusen im Gegensatz zu denen im Göta Kanal riesig und man kann hier locker mit 6 Freizeitbooten gleichzeitig schleusen, was auch die Wartezeiten erheblich reduziert hat.

Es gab nun einige Neuheiten für uns. Die Höhe von rund 6 Metern. Im Götakanal sind es nie mehr als 4, und ab sofort hatten wir keine Ringe bzw. Poller mehr an Land, sondern nur noch Leitern bzw. Poller in der Schleusenwand. Das war zunächst gewöhnungsbedürftig.

Abschleusen

Wir bereiteten wie gehabt eine lange Leine am Bug und eine am Heck vor, die je ein Crewmitglied aus der Hand bedienen sollte.

In der Schleuse stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach war die Leine über einen Poller zu legen, diese auch recht verrostet waren und die Leine auch mal hängen blieb und nur schwer zu lösen war.
Die Leine an der Treppe zu befestigen war leichter, aber auch hier musste ich darauf achten, dass sie leicht lief.
Ich hatte dass dann so gemacht, dass ich während des Abschleusens die beiden Leinenenden so lange hatte, dass ich die Leine durch meine beiden Hände laufen ließ und erst als der Schleusvorgang beendet war habe ich die Leine über die Leiterstufe nach unten gezogen, wobei ich aufpassen musste, dass ich von der nun recht langen Leine nicht erschlagen wurde. 🙂

Vorne am Bug hatte es die Schweizerin mit Unterstützung des Skippers zu Beginn nicht ganz so leicht. Den Poller mit der Leine zu treffen war Problem Nr. 1, da der Bug ja immer ein wenig weiter weg ist von der Wand als das Heck bzw. ich war gar nicht ganz am Heck sondern mehr in der Mitte und da hatte ich die Wand direkt vor mir.
Und die Leine hatte sich zunächst auch am Poller gerieben und war nicht so leicht zu bewegen.
Sie hatten dann zunächst zwei Leinen vorbereitet. Eine hielt die Schweizerin und der Skipper legte die zweite über den nächsten Poller, der beim runter Schleusen kam.
Das war nicht wirklich befriedigend, dieses Vorgehen.
Am Ende hatten wir es auch mit der 40ger Bavaria so gemacht, dass wir nur noch Mittschiffs eine Leine um die Leiter legten und ICH “die Königin der Leinen”, das Schiff locker nach unten führte :-).
Das ging natürlich nur, weil es tatsächlich so gut wie keine Bewegung beim Schleusvorgang gab.

Zusammengefasst

Such dir eine Leiter zum Ab – oder Aufschleusen und keinen Poller. Achte darauf, dass deine Leine lang genug ist und beide Seiten gleich lang sind, dann kannst du dein Schiff bequem aus der Hand führen.
Fender natürlich wie immer alle so hängen, dass sie an der dicksten Stelle des Bootes sind. Mit denen hatten wir aber nun gar keine Probleme mehr, da der Schleusvorgang sehr ruhig war.
Es ist egal an welcher Seite deiner Yacht du schleust.
Da viel Platz in den Schleusenkammern ist, brauchst du auch nicht wirklich auf deine Nachbarn zu achten.

Übernachtung im Trollhätte Kanal

Es gibt nicht all zu viele Übernachtungsmöglichkeiten. In den Städtchen Trollhättan und Lilla Edet und Gungälv sind Marinas, die aber meines Wissens kostenpflichtig sind. Ansonsten ist es auf der Strecke kaum Möglich fest zu machen, bzw. eine Nacht zu verbringen.

Geheimtipp

Da habe ich jetzt aber noch einen “Geheimtipp” für dich.
Bei Trollhättan sind über die Jahre mehrere Schleusen gebaut worden. In dieser Broschüre sind ein paar Infos dazu: Trollhätte Kanal 2014
Und direkt nach den 4 Schleusen von Trollhättan (von der Ostsee kommend) kann man in einen Seitenarm des Flusses fahren und sieht dann gleich rechts schon den Eingang zu den alten Schleusen von 1800 und da sind ein paar kostenfreie Liegeplätze.
Wir hatten das Glück, dass genügend Platz war und nutzten die Gelegenheit uns die alten Schleusen mal genauer anzuschauen und gingen auch den Berg hoch und gönnten uns oben bei der Marina in einem Cafe ein Eis. 🙂

Noch kurz zur Bezahlung

Der Kanal ist ganzjährig rund um die Uhr geöffnet. Allerdings für Kleinboote von Lilla Edet bis Gropbron nur zwischen 9 und 19 Uhr befahrbar.

Die Kanalgebühr für die Fahrt auf dem Trollhätte Kanal mit Freizeitbooten kostet 1000 SEK, die man mit der Gebühr für den Göta Kanal auch im voraus entrichten kann. Oder du zahlst die Gebühr an Schleuse Nr. 3 bei der Kanalzentrale in Trollhättan, wobei Kreditkartenbezahlung erwünscht ist.

Weiter geht´s bis Göteborg

Nach der Nacht an den alten Schleusen hatten wir noch ein gutes Stück vor uns. Und mit der Abschleusung in Lilla Edet waren wir auch wieder auf Meeresniveau.
Das Ende meiner Reise rückte näher und ich genoss die letzten Meilen durch den nun immer mehr von Industrieanlagen gesäumten Göta älv.
Und dann kamen wir nach Göteborg rein.
Mein Skipper wollte in den Stadthafen, wo die Innenstadt und auch “mein” Bahnhof ziemlich nahe liegt. Er hatte sich auch vorher über Internet anmelden wollen, was wegen der Internetqualität nicht funktioniert hat. Er hatte auch angerufen und uns angemeldet, aber als wir dann vor der kleinen Stadtmarina waren, bekamen wir leider die Rückmeldung bei einem erneuten Anruf, dass für uns heute kein Platz mehr in der Marina ist.
Nun ging die Suche los. Soooo viele Marinas gibt es in Göteborg nun auch wieder nicht und wir wurden an eine verwiesen, die fast schon im Kattegat lag.
Wir motorten also noch ne dreiviertel Stunde und kamen dann endlich am späten Nachmittag in dieser Marina an

Hier habe ich dir eine Openseamap Karte eingefügt, auf der du oben rechts die Marina von Göteborg siehst und unten links die Marina in der wir waren.

OpenseamapKarteGöteborg

Hier noch ein Bild von der Marina. Rechts wo Göteborg Langedag steht ist eine Straßenbahnstation, die dich für 20 SEK in die Stadt, bzw. an den Bahnhof bringt.

Marina bei Langedrag

Abschied

Nun war meine Reise so gut wie beendet. Wir machten das Schiff noch ein bisschen sauber, ich ging mit der Schweizerin noch Baden. Die hatten da so eine schwimmende Badeplattform und das Wetter war super gut. Richtig heiß für schwedische Verhältnisse. Ich ging dann noch duschen und als alle fertig waren gönnten wir uns ein super Essen im Marinarestaurant und genossen von da noch den Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang in Göteborg

Ich packte nach dem Essen noch schnell mein Köfferchen, stellte mir den Wecker auf 6 Uhr und machte mich dann auf den Heimweg.
Alle Verkehrsmittel waren pünktlich bzw. brachten mich rechtzeitig da hin, wo ich hin wollte und es gab dann noch eine kleine Überraschung für mich.
Ich hatte im Zug von Göteborg über Malmö Ohrenstöpsel im Ohr, weil meine Nachbarn recht laut waren und bekam die Durchsage im Zug nicht mit.

Auf einmal erhoben sich alle Leute im Zug von ihren Sitzplätzen und auf meine Nachfrage erfuhr ich, dass wir mit dem Zug in den Bauch einer Fähre gefahren waren. Na sowas, ich dachte wir fahren wieder über eine Brücke aufs Festland. Aus meinem Bahnticket ging nicht hervor, dass da eine Fährverbindung mit drin war. Es hat mich allerdings sehr gefreut.

Bis ich dann auf dem Oberdeck war hatte die Fähre schon abgelegt. Nun konnte ich noch einmal rund 45 Minuten die Ostsee genießen, das war ein schöner Ausklang.

Um 00 Uhr war ich dann zu Hause mit einer Menge Erlebnisse, Begegnungen und schönen Erinnerungen im Gepäck.

Ich hoffe ich konnte dir nun ein paar Eindrücke und Tipps an die Hand geben, für den Fall, dass auch du einmal mit einem Boot quer durch Schweden reisen möchtest.

Und nun möchte ich dir einmal ganz herzlich Danken, dass du mir zugehört hast. Herzlichen Dank und schön, dass es dich gibt.

Und wenn dir gefällt was ich hier so mache, dann erzähl es doch deinen Freunden weiter

und nun wünsche ich dir, wie immer

LEBE FREIHEIT
deine Moni

PS:

Ich freue mich riesige, dass du heute bei Segelpodcast.com dabei warst. Schau was ich dir hier kostenfrei rund ums Thema Segeln noch zur Verfügung stelle.

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Und als Ausklang stelle dir folgendes vor:

Spüre den Wind um die Nase, höre das Plätschern der Wellen in deinen Ohren und lasse deinen Blick über den Horizont schweifen. Du segelst und lebst FREIHEIT.

Bis zum nächsten mal

deine Moni

 

Veröffentlicht von

www.segelpodcast.com

Bei Segelpodcast.com von und mit Monika Bubel bekommst du mein gesamtes Segel Wissen und das von meinen Interviewpartnern. Egal ob du schon segelst oder es lernen möchtest, hier bist du genau richtig, wenn du in erlebten Geschichten mehr übers Segeln erfahren möchtest. Bootsführersschein. Sicherheit. Bordleben sind nur einige der Themen. Ich berichte auch von meinen aktuellen Erlebnissen unterwegs und werde immer mal wieder über meine Lieblinge die Wale und Delfine reden. Ich freue mich auf DICH. Einschalten. Zuhören. Relaxen. Lernen. Inspirieren lassen. Tun und FREIHEIT leben. Ich freue mich auf deine Kommentare, Monika

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