029 Revierinfo 4 – Goeta Kanal 1

029 Revierinfo 4 – Goeta Kanal

Ich war ja vor kurzem auf einem Hand gegen Koje Törn quer durch Schweden und in Folge 029 Revierinfo 4 – Goeta Kanal möchte ich dir den Göta Kanal ein wenig näher bringen.

Was ich festgestellt habe ist, dass es scheinbar ein großer Traum vieler Deutscher ist, einmal auf eigenem Kiel von der deutschen oder holländischen Küste, wo eben die Eigneryacht liegt, einmal nach Schweden hoch zu segeln und dann entweder von Göteborg nach Mem Schweden zu queren oder eben, wie mein Eigner das auch gemacht hat, von Mem nach Göteborg.

Unterwegs haben wir einige, meist ältere Paare, aber auch andere Gruppierungen getroffen, die sich diesen Traum erfüllt haben. Wie sie das gemacht haben berichte ich in einer der kommenden Folgen.

Heute erzähle ich dir ein bisschen in Folge 029 Revierinfo 4 – Goeta Kanal über die Strecke von der Ostsee, wo der Göta Kanal bei Mem beginnt bis zum Vänernsee.

Der Göta Kanal besteht aus von Hand ausgehobenen Kanalabschnitten, Schleusen, Treidelwegen, Mauern und Dämmen. Nach seiner Einweihung im Jahr 1832 diente er zunächst als wichtiger Transportweg, inzwischen ist er eine große touristische Attraktion und ein Urlaubsparadies. Er wurde von den Schweden zum Schwedischen Bauwerk des Jahrtausends ernannt. Und ist wirklich DIE Touristenattraktion. Was ich echt bestätigen kann, denn Zuschauer hatten wir beim Schleusen immer – egal wie das Wetter war :-).
Der Göta Kanal erstreckt sich von Mem an der Ostsee bis Sjötorp am Vänersee und ist 190 km lang mit 58 Schleusen und überwindet bis zum See Viken 91,8 Höhenmeter. Er ist von Mai bis September geöffnet. Und wir hatten festgestellt, dass das Schleusenpersonal meist gut aussehende Studentinnen und Studenten sind :-). Also neben Landschaft und schön anzusehenden Bauwerken und kleinen Ortschaften, auf jeden Fall eine Reise mit 5 Knoten Maximalgeschwindigkeit wert.

Dokumente

Das wichtigsten Dokumente, die wir während unser Durchfahrt vom 07.07.2016 bis 17.07.2016 genutzt haben waren zwei Prospekte.
Du bekommst sie auch am Eingang zum Götakanal und auf der Strecke.
gota-kanal-skipper-guide-ty-2015
karta-tysk-netpublicator-2016 Göta Kanal

Auf der Seite: http://www.gotakanal.se//de findest du alle Infos zum Göta Kanal und du kannst auch die Passage online buchen (unter Freizeitboote – Bestellsaison …).
Am Ostseeeingang Mem und in Sjötorp am Vänernsee kannst du aber auch ein Ticket vor Ort lösen. Ich glaube online bekommst du 5 % Rabatt.

Die 40ger Bavaria mit der wir unterwegs waren hatte für die Gesamtstrecke von Mem nach Göteborg rund 8900 Schwedische Kronen gekostet, was etwa 930 Euro sind. Also nicht ganz billig der Spaß, aber sehr lohnenswert. Und du unterstützt den Erhalt dieses Jahrtausend Bauwerks und zudem sind 21 Yachthäfen im Göta Kanal in der Gebühr mit drin, die man bis zu 5 Nächte nutzen kann (also jeden einzelnen). Du hast also auch genügend Zeit dir Land und Leute anzusehen.
Hier kannst du dir die Preisliste für den Göta Kanal von 2016 mal ansehen und herunter laden.

Zeit

Wenn du dich mit dem Gedanken trägst ein Schiff (max. 30 m lang, 7 m breit, 2,82 m Tiefgang und 22 m hoch) quer durch Schweden zu fahren, solltest du dir genügend Zeit einplanen. Wir sind bequem in 10 Tagen durch den Götekanal gefahen. Erst ein wenig schneller und nachdem wir abschätzen konnten wie lange wir noch brauchen, haben wir etwas langsamer gemacht, weil erst sonntags ein Crewwechsel in Sjötorp war. Wobei wir da tatsächlich auch mal nur 5 km am Tag zurück gelegt hatten.
Insgesamt waren wir im Göta Kanal 10 Tage unterwegs, allerdings haben wir immer nur eine Nacht an einem Ort verbracht und wir haben uns auch nichts angesehen. Nur zwei Mal Einkäufe gemacht.
Für das Stück von Sjötorp nach Göteborg hatten wir dann noch 4 Tage Zeit (von Sonntag Morgen 17. bis Mittwoch Abend 20.07.) da mein Zug am Donnerstag morgen (21.07.16) von Göteborg zurück in die Heimat fuhr.
Darüber berichte ich dir in einer der nächsten Folgen, dann ist der ganze Törn komplett 🙂 .

Wir haben also für die Gesamtstrecke quer durch Schweden von Mem bis Göteborg 14 Tage gebraucht. Wobei es vielleicht ein – zwei Tage schneller gegangen wäre und wir uns natürlich auch 5 Wochen hätten Zeit nehmen können, wie das manche gemacht haben, die uns begegnet sind.

Was du wissen solltest

Bis jetzt habe ich dir die wichtigsten Faken beschrieben, die den Göta Kanal betreffen und dabei möchte ich es auch belasssen. Du kannst dich mit den Orten, Schleusen, Fahrtstrecken und wie lange man dafür benötigt gerne in den zwei Prospekten beschäftigen.
Viel interessanter sind ja nun meine Erlebnisse und Erfahrungen, die ich dir nun mitteilen möchte.

Leinen und Fender

Wenn du von der Ostsee kommst fährst du durch eine Schleuse in den Kanal rein und kommst dann erst in das Örtchen Mem. Also solltest du vorab schon wissen wie das in diesen Schleusen des Göta Kanals abläuft.
Vor und von Mem aus, geht es erst mal zig Schleusen hoch. Und das Hochschleusen ist meines Erachtens auch etwas anspruchsvoller als das runter schleusen.

Zunächst solltest du dich mit den anderen Skippern absprechen wer wann und auf welcher Seite in der Schleuse fest macht. Also wer fährt als Erstes rein, das bestimmt meist die Ankunftszeit vor der Schleuse. Wenn ein Boot aber recht groß ist, kann es auch schon mal besser sein dieses zuerst einfahren zu lassen, da die kleineren sich besser reinquetschen können. Grundsätzlich bestimmt das Schleusenpersonal wer noch rein darf und wer nicht. Ich hatte auch erlebt, dass einer meinte er ginge noch rein und dann wieder raus geschickt wurde, weil das Boot nicht weit genug rein kam, um das Schleusentor zu schließen.

Wir sind meist mit insgesamt 4 Booten geschleust worden. Manchmal waren wir aber auch weniger und ganz selten sogar alleine, was dann sehr komfortabel ist, da man sich nicht um das Boot nebenan kümmern muss. Und ich sage dir, da waren manche Skipper an Bord, die haben auch nach der 20ten Schleuse noch nicht verstanden, dass sie ihre Heckleine dichter ziehen müssen, damit sie nicht mit unserer Yacht kollidieren.

Auf welcher Seite du die Leinen und Fender präparierst ist im Grunde genommen egal. Bei der Einfahrt in der Schleuse fährst du eh so langsam an der Schleusenmauer vorbei, dass du einen guten Überblick hast und zumindest sehen kannst wenn dein Boot zu nah an die Mauer kommt. Es kann auch sein, dass du mal an Steuerbord und mal an Backbord fest machen musst. Das kommt gerade darauf an welche Boote noch mit dir schleusen und auf welcher Seite diese ihre Leinen und Fender vorbereitet haben. Etwas Flexibilität ist also gefordert.

Optimal ist es, wenn du auf beiden Seiten Leinen und Fender vorbereiten kannst.

Fender

Ganz wichtig sind die Fender. Wir hatten dummerweise die Kugelfender erst nach der 5. Schleuse, oder so, an der breitesten Stelle der Yacht befestigt und hatten leider zwei mal Kontakt mit der Schleusenwand, die zum Teil recht scharfe Steine hat, was meinen Skipper und Eigner nicht wirklich begeistert hat.

Du solltest auf der Seite die an der Schleusenmauer ist je nach Größe deines Bootes drei, vier oder mehr Fender haben. Die wichtigsten sind in der Mitte deines Bootes. Die Höhe ist auch wichtig.
Wenn du schleust sollten sie an der dicksten Stelle deines Bootes sein, wenn du allerdings oben bist müssen sie recht tief hängen, weil die Mauer häufig nur noch um die 20 cm hoch ist, wenn das Wasser rein gelaufen ist.
Da wir ein recht großes Boot hatten haben wir eigentlich ständig an den Fendern justiert. Falls du genügend Fender zur Verfügung hast, ist es am Besten diese in verschieden Höhen anzubringen.

Nicht vergessen solltest du die Fender auf der Seite wo dein Nachbar ist. Bei manchen Schleusvorgängen hatte ich da sozusagen Wache gehalten und geguckt, dass uns der andere nicht rammt. Häufig sind die anderen Boote nämlich nur mit zwei Personen unterwegs und da einer davon an Land muss, um die Leinen zu befestigen, bleibt nur der/die Steuermann oder Frau, um die Leinen und Fender zu bedienen und der/die kann ja nicht gleichzeitig überall sein.

Wir hatten auch ein paar Boote gesehen, die ein Fenderbrett hatten, also zwei Fender und darüber ein Brett angebunden. Das hat scheinbar auch sehr gut funktioniert.

Die Leinen

Du solltest deine Leinen folgendermaßen präparieren (du findest in dem Prospekt Skipperguide eine detaillierte Anleitung). Eine Achterleine, die du mit dem einen Ende auf einer Klampe ohne einer Winsch belegst um sie beim Schleusen immer wieder nach zu justieren. Wir hatten zwei Winschen im Cockpit und konnten sowohl die Achterleine, als auch die Vorleine auf die Winschen legen und währesnd des Schleusens mit der Kurbel nachziehen.
Das Selbe machst du dann mit der Vorleine. Du führst sie durch deine Klüse oder Klampe am Bug so, dass eine Teil an der Schleusenmauer befestigt werden kann und die andere Seite führst du zurück zu deiner Winsch im Cockpit. Die Leine muss dementsprechend lang sein. Die Schleusenhübe sind bis zu 4 Meter und dann brauchst du den Weg übers Schiff und den Weg für dein Crewmitglied, das die Leine an Land belegt, wir hatten eine 20 Meter Leine, was vom Händling meist umständlich war, aber die Länge war notwendig.
Wenn du die Möglichkeit hast die Leine über eine Winsch einzuholen, dann mache das, denn je nach dem welchen Schleusenwärter du gerade erwischst wird das Wasser recht schnell oder ganz gemütlich eingelassen. Du wirst aber, vor allem wenn du vorne in der Schleuse bist, wo das Wasser einläuft, immer durchgeschaukelt in diesen alten Schleusen.

Da die Schleusenwände beim reinfahren recht hoch sind (wir schleusen ja nach oben) gibt es kurz vor der Schleuse die Möglichkeit ein Crewmitglied an Land abzusetzen. Diese Person nimmt dann auf jeden Fall die Achterleine mit an Land, die genügend Spiel haben sollte. Wenn man nur zu zweit ist, sollte diese Person auch die Vorleine mit an Land nehmen und dann mit beiden Leinen die Mauer hoch, parallel mit dem in die Schleuse fahrenden Schiff, führen.

Auf der Schleusenmauer sind Markierungen. Gelbe oder weiße Striche, das weiß ich jetzt nicht mehr genau, es können auch beide Farben gewesen sein 🙂 , wo die Vorleine bzw. die Achterleine zu befestigen sind. Es liegen da Ringe auf dem Boden. Fand ich ja erst mal doof, weil das so kompliziert ist die Leine da durch zu ziehen. Bis ich festgestellt habe, dass das beim Rauf schleusen anders gemacht wird.

Man legt die, mit einem Palstek präparierte Leine einfach nur um das kurze Stück Eisen, mit dem der Ring im Boden befestigt ist und legt den Ring dann so um, dass die Leine nicht mehr rausrutschen kann. Tata…

Leinentipp

Übrigens noch ein Tipp. Wenn hinter dir noch einer in die Schleuse kommt muss dessen Vorleine bzw. Palstek durch deinen Palstek um dieses kurze Stück Eisen gelegt werden. Nur so bekommst du deine Leine, die ja zuerst gelöst werden muss, beim Raus fahren, wieder frei. Das bekommt aber die Person, die die Leinen belegt schnell raus, wie das funktioniert. 🙂

Da ich nun feststelle, dass diese Folge ziemlich lang wird habe ich mich entschlossen einen zweiten Teil zu machen, den du dann am Montag hören kannst.

Ich freue mich über deinen Kommentar auf meinem Blog, auch über Anregungen oder konstruktive Kritik und wünsche dir aus dem sonnigen und windigen Teneriffa

LEBE FREIHEIT
deine
Moni

PS:

Ich freue mich riesige, dass du heute bei Segelpodcast.com dabei warst. Schau was ich dir hier kostenfrei rund ums Thema Segeln noch zur Verfügung stelle.

Neben den Shownotes findest du zum Beispiel im Downloadbereich nützliche Dokument, auch die Fragebögen zu einigen Scheinen und wenn du mir deine Mailadresse anvertraust, die du gleich hier rechts in das Formular eintragen kannst, (ich verspreche, deine Adresse ist bei mir sicher) dann schenke ich dir meine TOP TEN SEGEL WEB ADRESSEN in einem PDF Dokument und in dem Newsletter, den ich dir dann ab und zu schicke gibt es auch weitere nützliche Infos zum Thema SEGELN.

Und als Ausklang stelle dir folgendes vor:

Spüre den Wind um die Nase, höre das Plätschern der Wellen in deinen Ohren und lasse deinen Blick über den Horizont schweifen. Du segelst und lebst FREIHEIT.

Bis zum nächsten mal

deine Moni

 

 

Veröffentlicht von

www.segelpodcast.com

Bei Segelpodcast.com von und mit Monika Bubel bekommst du mein gesamtes Segel Wissen und das von meinen Interviewpartnern. Egal ob du schon segelst oder es lernen möchtest, hier bist du genau richtig, wenn du in erlebten Geschichten mehr übers Segeln erfahren möchtest. Bootsführersschein. Sicherheit. Bordleben sind nur einige der Themen. Ich berichte auch von meinen aktuellen Erlebnissen unterwegs und werde immer mal wieder über meine Lieblinge die Wale und Delfine reden. Ich freue mich auf DICH. Einschalten. Zuhören. Relaxen. Lernen. Inspirieren lassen. Tun und FREIHEIT leben. Ich freue mich auf deine Kommentare, Monika

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